Europäische Brauwirtschaft im Wandel: Rückgang setzt sich fort, alkoholfreies Bier als Hoffnungsträger

Die europäische Bierbranche durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Während Produktion und Konsum weiter sinken, erlebt das alkoholfreie Bier ein bemerkenswertes Wachstum. Der Gourmet Report beleuchtet die aktuellen Trends und ihre Bedeutung für die Gastronomie.

Bier, Pils

Europäische Brauwirtschaft im Wandel

Während sich Millionen Europäer in diesem Sommer auf Terrassen, in Cafés, Restaurants und Biergärten versammeln, erinnert der aktuelle „European Beer Trends Report“ daran, dass Bier weit mehr als nur ein erfrischendes Getränk ist. Die jüngsten Zahlen des Dachverbands The Brewers of Europe zeichnen ein ambivalentes Bild: Die Branche schrumpft, aber sie passt sich an – und das mit bemerkenswerter Innovationskraft .

Produktion und Konsum im Sinkflug

In der gesamten Europäischen Union sank die Bierproduktion 2025 um 2,9 Prozent, der Konsum ging um 3,2 Prozent zurück. Seit 2019 summiert sich der Rückgang auf 8,6 Prozent bei der Produktion und 9,2 Prozent beim Konsum – ein klarer Beleg für die anhaltenden Herausforderungen .

Die Gründe für diesen Abwärtstrend sind vielschichtig. Inflation, hohe Produktionskosten, globale Transportstörungen und klimabedingte Druckfaktoren auf die Rohstoffpreise belasten die Brauer massiv . Hinzu kommt die verunsicherte Konsumentenschaft. „Die Verbraucher haben das Vertrauen verloren und geben weniger aus. Die Brauer stehen vor steigenden Kosten, strengeren Vorschriften und zunehmendem Druck in der gesamten Wertschöpfungskette„, warnt Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe .

Besonders dramatisch zeigt sich die Entwicklung im Gastgewerbe. Während der Bierkonsum in Pubs, Bars und Restaurants einst ein Drittel des gesamten Marktes ausmachte, ist dieser Anteil inzwischen auf etwa ein Viertel gesunken . Das schwächt nicht nur die Brauwirtschaft, sondern die gesamte Wertschöpfungskette – von den Landwirten über die Brauereien bis hin zu Festivals und dem Tourismus .

Spanien als positive Ausnahme

Während der europäische Markt insgesamt schrumpft, zeigt sich Spanien als bemerkenswerte Ausnahme. Das Land verzeichnete 2025 ein Produktionsplus von 0,5 Prozent und festigte damit seine Position als zweitgrößter Bierproduzent der EU . Die enge Verbindung zwischen Bier, Gastronomie und einem geselligen, moderaten Konsummuster macht den spanischen Markt besonders resilient. Die Produktion liegt hier sogar 5,1 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2019 .

Alkoholfreies Bier: Die große Erfolgsgeschichte

Der klare Gewinner des Branchenwandels ist das alkoholfreie Bier. Die Absatzmengen stiegen 2025 um 5,87 Prozent und haben sich seit 2020 um mehr als 38 Prozent erhöht . Heute ist bereits jedes zwölfte in der EU getrunkene Bier alkoholfrei .

Julia Leferman, seit August 2024 Generalsekretärin von The Brewers of Europe, sieht darin einen strategischen Erfolg: und erklärt Gourmet Report „Das anhaltende Wachstum des alkoholfreien Bieres zeigt, wie sich die Brauer weiterentwickeln, um den Verbrauchern mehr Wahlmöglichkeiten und Chancen für einen maßvollen Genuss zu bieten als je zuvor“ . Sie betont, dass die Branche nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich Verantwortung übernehme – mit Bildungsinitiativen und der Förderung verantwortungsvollen Konsums .

Auch international agierende Braukonzerne setzen voll auf diesen Trend. HEINEKEN gab bekannt, allein im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich 14 neue Zapfanlagen für Heineken® 0.0 pro Tag installiert zu haben – inzwischen gibt es 10.000 dieser Taps in Europa . Michael Gillane, Regional Global Brands Director Europe bei HEINEKEN, erklärte: „Die Tatsache, dass wir mit Heineken® 0.0 an 10.000 Ausschankstellen vertreten sind, beweist, dass alkoholfreies Bier endgültig im Mainstream angekommen ist“ . Der Gedanke, dass man mit einem alkoholfreien Bier etwas ‚Besonderes‘ bestellt, sei passé.

Gastronomie: Ein Hoffnungsschimmer

Trotz des allgemeinen Rückgangs gibt es ein positives Signal für die Gastronomie: Der Anteil des Bierkonsums in der Gastronomie hat sich 2025 stabilisiert . Nach Jahren des kontinuierlichen Rückgangs könnte dies ein erster Wendepunkt sein. Das unterstreicht die Bedeutung des Bieres für das gesellschaftliche Leben und die wirtschaftliche Stabilität von Pubs, Bars und Restaurants .

Herausforderungen und Ausblick

Dennoch bleibt die Lage angespannt. Die Brauereien in Europa operieren in einem immer komplexeren regulatorischen Umfeld. Leferman appelliert an die Politik: „Brauer engagieren sich für Nachhaltigkeit, Mäßigung und kulturellen Wert. Aber dies ist ein Moment für klare Unterstützung – nicht für unverhältnismäßige oder kontraproduktive Regulierung. Unser Sektor kann zur Wettbewerbsfähigkeit und kulturellen Lebendigkeit Europas beitragen, wenn er die Stabilität erhält, die für Investitionen, Innovation und Wachstum nötig ist“ .

Auch die Exporte bereiten Sorge: Sie fielen 2025 auf den niedrigsten Stand seit 2014, bedingt durch eine schwächere Weltnachfrage und ein immer komplexeres Handelsumfeld . Die Anzahl der aktiven Brauereien in der EU hat sich bei etwa 9.700 eingependelt – nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums ein Zeichen für die Stagnation der einst so dynamischen Braulandschaft .

Fazit

Die europäische Bierbranche steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Der Rückgang von Produktion und Konsum ist nicht nur eine vorübergehende Erscheinung, sondern Ausdruck veränderter Konsumgewohnheiten und eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Gleichzeitig zeigt die beeindruckende Entwicklung des alkoholfreien Biers, dass die Branche Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit besitzt. Für die Gastronomie ist das alkoholfreie Bier ein Hoffnungsträger, der neue Zielgruppen erschließt und den geselligen Biergenuss auch für jene ermöglicht, die bewusst auf Alkohol verzichten möchten oder müssen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dieser Trend ausreicht, um die Verluste im traditionellen Segment auszugleichen, und ob die Politik den notwendigen Rahmen für eine nachhaltige Erholung der Branche schafft.

Quelle: The Brewers of Europe – European Beer Trends 2026, Juli 2026 – https://brewersofeurope.eu/european-beer-trends/

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