Meine Eindrücke
Am vergangenen Dienstag hat der Guide Michelin im Frankfurter Palmengarten seine neuen Sterne für Deutschland bekanntgegeben. Mein Bericht zu der Veranstaltung kommt nicht verspätet, wie man annehmen könnte, sondern bewusst erst heute, um die vielfältigen Reaktionen auf die Veranstaltung abzuwarten.
Foto: Bernhard Steinmann
Wie erwartet sparte die Branche nicht mit Lob oder Kritik. Die Veranstaltung war gelungen, der Rahmen im Palmenhaus angemessen und die Stimmung gut, was man unschwer am Applaus und der Lautstärke des Auditoriums ablesen konnte. Durch den Abend führte Aljoscha Höhn, wie immer gekonnt und mit charismatischem Auftreten.
Der internationale Direktor des Guide Michelin, Gwendal Poullennec grüßte aus der Ferne mit Videosequenzen. Seine Abwesenheit wurde durchaus kritisch gesehen, der Stimmung hat sie nicht geschadet.
Der internationale Direktor des Guide Michelin Gwendal Poullennec (Foto: Bernhard Steinmann)
Ein kleines Jubiläum soll nicht vergessen werden. Zum 60.-mal wurden in Deutschland Sterne vergeben. Zwar erschien die erste Deutschlandausgabe des Guides schon 1964, doch damals noch ohne Sterne.
Bei den ersten Sternen war das heutige Dreisternerestaurant Haerlin in Hamburg bereits dabei. Man glaubt es kaum.
Die neuen Sterne sind nun hinlänglich bekannt, ebenso wie die Kritik daran, wieso dieses Restaurant und wieso jenes nicht. Sobald der eigene Geschmack getroffen ist, war die Entscheidung richtig, doch wehe, wenn nicht. Dieses Spielchen wiederholt sich Jahr für Jahr.
Drei Sterne verteidigt: Kevin Fehling, „The Table“, Hamburg (Foto: Gourmet unterwegs)
Zusammengefasst ergibt sich folgende Verteilung:
- 12 Restaurants mit drei Sternen (davon 1 neu)
- 48 Restaurants mit zwei Sternen (davon 4 neu)
- 279 Restaurants mit einem Stern (davon 20 neu)
- 147 Restaurants mit Bib Gourmand (davon 10 neu)
Aus meiner persönlichen Sicht möchte ich auf einige wenige Punkte eingehen.
Der grüne Stern wird beim Michelin nicht mehr vergeben. Eine kluge Entscheidung. Stattdessen gibt es das redaktionelle Konzept der
Sonja Baumann und Erik Scheffler (verdeckt) aus dem Restaurant „Neobiota“ in Köln neben Aljoscha Höhn (Foto: Bernhard Steinmann)
Mindful Voices. Hervorgehoben werden Köche, Hoteliers oder Weinproduzenten, die sich für eine verantwortungsvolle, zukunftsorientierte Entwicklung einsetzen.
In dieser Kategorie wurden Sonja Baumann und Erik Scheffler aus dem Restaurant „Neobiota“ in Köln, geehrt.
Hinzu kamen die MICHELIN Special Awards. Auch diese dürften hinlänglich bekannt sein.
Zu den Restaurants mit drei Sternen gibt es nicht viel zu sagen. Alle Restaurants behielten ihre Sterne. Für das geschlossene „Aqua“ mit Chef Sven Elverfeld rückte Daniel Schimkowitsch, Küchenchef des „L.A. Jordan“ aus Deidesheim, nach. Als Pfälzer Bub darf ich mich ein klein wenig darüber freuen.
Foto: Bernhard Steinmann
Die Vorstellung der hoch dekorierten Herren lief für mein Empfinden etwas unglücklich ab. Ich bin nicht sicher, ob ich die Reise für ein schnelles Gruppenfoto auf der Bühne angetreten hätte.
Thomas Schanz (rechts) und Fritz Benson (Foto: Gourmet unterwegs)
Aus der Dreiergarde möchte ich Thomas Schanz besonders erwähnen, der hier beim Welcoming-Drink angetroffen wurde. In seiner Begleitung befand sich sein Ex-Sous-Chef Fritz Benson, der kurze Zeit später selbst einen Stern sein Eigen nennen konnte für das Restaurant „Theodor’s“ auf der „Schäl-Sick“ (der Ausdruck sei mir als ehemaliger Bonner erlaubt) in Bonn-Beuel.
Kommen wir nun zur Hauptstadt. Berlin hat drei Sternerestaurants eingebüßt, wobei das „Prism“ geschlossen wurde, während „Skykitchen“ und „Bieberbau“ ihrer Sterne verlustig gingen.
Was wohl passiert sein mag? Noch vor einem Jahr schrieb ich zum „Bieberbau“: „Stephan Garkisch zeigte dezent gewürzte und aromenstarke Gerichte.Temperaturen und Texturen sind gut getroffen, die handwerklich gut bearbeiteten Produkte werden relativ puristisch präsentiert.“
Die moderne, frankophile bis kreativ-deutsche Küche hat nichts von ihrem Glanz verloren. Vielleicht sieht man keine weitergehende Entwicklung mehr. Manche Kritiker neigen vielleicht eher zur Quetschflaschen- und Pinzettenküche. Wer weiß. Zwar mag die gehobene Gastronomie mit einem Stern aus der Masse heraustreten, doch gerade in diesem Bereich sind die Unterschiede groß.
Freude und Ärger über die Einstufungen der Michelin-Inspektoren werden in nächster Zeit abebben und in einem Jahr geht das Ganze von vorne los. Wieder in Frankfurt am Main. Wieder mit neuen Sternen und wieder mit einem Bericht von mir.
Fotos: Bernhard Steinmann

Besucherbewertung: 5 Sterne