Lufthansa startet FOX auf der Langstrecke: Viel neues Serviceversprechen, aber der Premium-Beweis steht noch aus. Lufthansa hat am 6. Mai 2026 ihren neuen Langstreckenservice FOX („Future Onboard Experience“) in Business Class, Premium Economy und Economy Class eingeführt, nachdem der neue First-Class-Service bereits Ende März gestartet war.
FOX („Future Onboard Experience“)
Nach Darstellung der Airline handelt es sich um eine der größten Investitionen in das Kundenerlebnis in ihrer Geschichte, die auf allen Langstreckenflügen, in allen vier Reiseklassen und über alle Flugzeugtypen hinweg ausgerollt wird.
Für die Kranich-Airline ist der Start mehr als ein Catering-Update. Lufthansa verknüpft FOX eng mit dem eigenen 100-jährigen Gründungsjubiläum und mit dem strategischen Anspruch, wieder die führende Premium-Airline Europas zu sein. CEO Jens Ritter formuliert das offensiv: „Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Nummer Eins der Premium Airlines in Europa sein.“ Allein 2026 investiere Lufthansa dafür laut Ritter mehr als 70 Millionen Euro in den neuen Premium-Service.
Ein Produkt für alle Klassen
FOX steht laut Lufthansa für drei Leitprinzipien: Individualisierung, Komfort und Signature Moments. Überarbeitet wurden nach Unternehmensangaben nicht nur Speisen und Getränke, sondern sämtliche Serviceelemente und Abläufe an Bord – ausdrücklich auch auf Flugzeugen ohne Allegris-Kabine.
Das ist aus Branchensicht ein wichtiger Punkt. Denn viele Produktinitiativen der vergangenen Jahre litten weniger an schwachen Konzepten als an einer fragmentierten Umsetzung über unterschiedliche Teilflotten, Cateringstationen und Crew-Routinen hinweg. Wenn Lufthansa diesmal tatsächlich einen standardisierten Rollout über das gesamte Langstreckennetz schafft, wäre das operativ fast bedeutsamer als einzelne Menübausteine.
Business Class im Mittelpunkt
Am stärksten inszeniert Lufthansa die Business Class. Dort kommen neue Menüs von Johann Lafer zum Einsatz, dazu ein Frühstückssystem mit Vorbestellung am Vorabend, neues Geschirr sowie ein klassischer Kuchenservice als neuer Lufthansa-„Signature Moment“.
Hinzu kommt mit Sky Selection ein flexibleres Modell für die zweite Mahlzeit auf Langstreckenflügen. Gäste sollen diese künftig dann bestellen können, wenn sie möchten, und dabei aus einer breiteren Auswahl wählen können, die laut Lufthansa von Tapas-Bowls bis Currywurst und Macarons reicht.
Das ist ein sinnvoller Ansatz, weil starre Servicetakte in der Business Class seit Jahren zu den größten Schwächen klassischer Netzcarrier zählen. Ob daraus aber wirklich ein überlegenes Premiumprodukt entsteht, hängt nicht an der Existenz einer Zusatzkarte, sondern an Verfügbarkeit, Timing und der Konsequenz, mit der Crews den neuen Ablauf auch unter realen Betriebsbedingungen umsetzen können.
Premium Economy wird deutlich aufgewertet
In der Premium Economy Class setzt Lufthansa erkennbar auf die Aufwertung des Erstservices. Genannt werden eine Vorspeise „auf Business-Class-Niveau“, drei warme Hauptgerichte zur Auswahl, frisches warmes Brot, ein erweitertes Getränkesortiment, ein neuer Digestif-Service sowie Slipper als Komfortzugabe.
Das dürfte auf vielen Routen tatsächlich als Verbesserung wahrgenommen werden, weil gerade Premium Economy stark davon lebt, sich beim Service klar von der Economy abzusetzen. Gleichzeitig ist das Segment inzwischen hoch kompetitiv; zahlreiche Airlines haben dort in den vergangenen Jahren stark aufgerüstet, sodass Lufthansa mit FOX eher aufschließt oder verfeinert, als ein völlig neues Marktsegment zu definieren.
Auch die Economy profitiert
Bemerkenswert ist, dass Lufthansa auch die Economy Class sichtbar in das Projekt einbezieht. Erstmals gibt es dort ein Amenity Kit mit Schlafmaske und Ohreinsätzen, dazu neues Geschirr, neues Besteck, neue Tabletts, eine gedruckte Menükarte und eine ausgeweitete Getränkeauswahl. Auf Flügen über zehn Stunden sollen künftig außerdem drei warme Hauptgerichte statt bisher zwei zur Auswahl stehen.
Das ist mehr als nur kosmetisch, denn gerade auf sehr langen Strecken können kleine Verbesserungen bei Ruhe, Struktur und Auswahl den Eindruck eines Fluges deutlich verändern. Trotzdem bleibt auch hier die nüchterne Einordnung: Ein besseres Tablett und ein drittes Hauptgericht machen aus Economy keine Premiumkabine; sie können aber helfen, ein bislang oft als inkonsistent wahrgenommenes Produkt etwas überzeugender wirken zu lassen.
Jens Ritter, CEO Lufthansa Airlines, erklärt Gourmet Report: „Lufthansa feiert sein 100-jähriges Gründungsjubiläum. Zu diesem besonderen Ereignis definieren wir den Service an Bord der Langstrecke neu. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Nummer Eins der Premium Airlines in Europa sein. Dafür investieren wir für unsere Gäste über 70 Millionen Euro allein in diesem Jahr in den neuen Premium-Service in allen Klassen. Diese enormen finanziellen Anstrengungen in herausfordernden Zeiten beweisen, wie nachhaltig und entschlossen wir Lufthansa erneuern und verändern. Ich danke dem ganzen Team für die große Kraftanstrengung in den vergangenen beiden Jahren und ich bin stolz auf das, was unsere Kunden an Bord bei uns genießen können.“
Große Logistik, hoher Erwartungsdruck
Die Zahlen hinter dem Rollout zeigen, wie ambitioniert das Projekt angelegt ist. Lufthansa spricht von 187 Millionen Einzelteilen bei Geschirr und Besteck, von rund 300.000 Business-Class-Hauptgangtellern, von mehr als 110 Testflügen, über 9.000 Gästefeedbacks, mehr als 500 Crew-Feedbacks und 28 Menüpräsentationen an 57 Flughäfen weltweit.
Gerade diese Größenordnung erhöht aber auch den Erwartungsdruck. Wer einen derart aufwendigen globalen Rollout startet und ihn zugleich als zentrale Premium-Offensive vermarktet, wird nicht an Präsentationsfolien gemessen, sondern an der Alltagstauglichkeit: Cateringqualität ab Außenstationen, saubere Prozessketten, echte Verfügbarkeit der angekündigten Elemente und eine Crew-Umsetzung, die nicht nach wenigen Wochen im operativen Kompromiss endet.
Premium-Strategie mit offenem Ausgang
Aus Unternehmenssicht ist FOX ein wichtiges Signal. Lufthansa zeigt, dass sie bereit ist, in ein Thema zu investieren, das in der Netzwerk-Luftfahrt oft unter Kostendruck steht: das reale Produkterlebnis an Bord. Das ist grundsätzlich positiv, zumal der Konzern damit anerkennt, dass Premium nicht nur über Lounges, Sitze oder Allegris-Suiten verkauft wird, sondern auch über Servicequalität, Rhythmus, Auswahl und Wiedererkennbarkeit.
Der kritische Punkt bleibt jedoch derselbe wie bei vielen europäischen Netzcarriern: Der Premiumanspruch wird heute nicht mehr an einzelnen Highlights gemessen, sondern am geschlossenen Gesamterlebnis. Lufthansa kann mit FOX sichtbar Boden gutmachen; ob die Airline damit tatsächlich näher an das selbst formulierte Ziel heranrückt, Europas führende Premium-Airline zu werden, wird sich erst in den kommenden Monaten im Linienbetrieb zeigen.

Besucherbewertung: 5 Sterne