Schwarze Liste

Die Vereinigung Cockpit e.V. (VC), der Berufsverband des Cockpitpersonals in Deutschland, begrüßt grundsätzlich jede Maßnahme, die die Sicherheit im Luftverkehr erhöht. Unkoordinierte, nationale Alleingänge als Folge der aktuellen Flugzeugabstürze sieht die VC allerdings mit Skepsis.

Flugsicherheit beginnt nicht erst dort, wo eine Einflugerlaubnis entzogen wird – diese Airline steht nationalen Passagieren dann ohnehin nicht zur Verfügung -, sondern sie ist ein Resultat gelebter Sicherheitskultur in den Luftfahrtunternehmen. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass sich die Unternehmen bewusst und gewollt zu Investitionen in diesem Bereich bekennen.

Zweifelsohne bedarf es darüber hinaus dringend besserer, international vereinheitlichter und akzeptierter Standards, bei denen nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern das höchstmögliche Sicherheitsniveau Maßstab ist. Die bloße Erfüllung gesetzlicher Mindestanforderungen reicht also niemals aus. Parallel müssen die autonomen Aufsichtsbehörden in die Lage versetzt werden, notfalls auch gegen die wirtschaftlichen Interessen der Airlines diese Standards durchzusetzen.

Wenn zudem aus Angst vor der „schwarzen Liste“ unternehmensinterne Kommunikation verebbt und sicherheitsrelevante Aspekte nicht frei angesprochen werden können oder dürfen, birgt der Ruf nach einer „schwarzen Liste“ sogar die Gefahr, genau ins Gegenteil verkehrt zu werden.

Nach Meinung der Vereinigung Cockpit gehören zu der geforderten Sicherheitskultur unter anderem auch die Etablierung eines speziellen Anforderungsprofils für Piloten und Techniker, die Möglichkeit des anonymen Kritikübens der Mitarbeiter, eine über das gesetzliche Mindestmaß hinaus gehende Qualitätssicherung durch Schulungen, die Begrenzung des Outsourcings, verbindliche Begrenzung der Flugdienstzeit auf ein physiologisch sinnvolles Maß, die Liquidität eines Flugbetriebes für einen eventuell eintretenden längeren, kritischen Zeitraum, die Etablierung eines Senioritätsprinzips sowie eine offene, interne Kommunikation über Flug-Zwischenfälle.

An dieser Stelle soll zudem auf einen kritischen Umgang mit Flugunfall-Statistiken hingewiesen werden. So ist beispielsweise die Sinnhaftigkeit des Vergleichs einer jungen Airline mit einer geringen Zahl von Flugzeugen mit einer etablierten Fluggesellschaft mit einer hohen Zahl an Fluggerät fragwürdig.

www.vcockpit.de

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