Hoteltest Alvear Art Hotel*****, Buenos Aires

Wir wollten den Weihnachtstrubel entkommen und etwas Sonne geniessen. Lufthansa lockte uns mit einem günstigen Partner Spezialtarif in der Business Class nach Buenos Aires. Und ja, es stimmt: Im Südamerikanischen Sommer ist der Weihnachtstrubel gering! Man sieht mal geschmückte Weihnachtsbäume und etwas Werbung im Schaufenster, aber das war es. Im öffentlichen Raum fast nichts. am 24. / 25.12 waren ein paar Balkons feierlich illuminiert.
Es ist ja mit 25°C auch schön warm.

Blick aus der Juniorsuite des Alvear Art Hotels in Buenos Aires bei Sonnenuntergang

Vorher guckte ich mir die Hotels an. Teilweise erinnerten die Preise an Luxushotels in Nordamerika. Ich wählte dann das Alvear Art Hotel, das überall eine gute Bewertung hatte, z.B. auf Booking.com 9,0 und auf Google 4,7 und die Preise bei 180 € anfingen. Ich wählte die Junior Suite für 295 US$/Nacht inkl. Frühstück und Stadtblick.
Ich stornierte noch 2 x im Laufe der Zeit, buchte wieder neu und sparte so jeweils um die 300 US$.

Wir kamen nach fast 15 Stunden in dem abgerockten LH Jumbo ziemlich erholt um 7.30 Uhr früh in Buenos Aires an, obwohl ich schlecht auf dem Sitz – trotz Matratze – geschlafen hatte. Um 9 Uhr waren wir dann im Hotel für die nächsten neun Tage. Die Anmeldung war umständlich, zuerst musste das Geld auf der Kreditkarte gesichert werden. Ich solle unbedingt per CC zahlen, da ich sonst 21% MwSt bezahlen muss.
Allerdings hat er sich nicht 266.500 ARS gesichert, sondern gleich 350.000. Warum? Ich hatte das erst gesehen, als ich den Slip bekommen habe.
Besser wäre gewesen, ausreichend Bargeld mitzunehmen, auf dem alternativen Wechselmarkt in Buenos Aires Geld wechseln und dann in Peso plus 21 % zu zahlen.

Sehr gut: Wir bekamen gleich unser Zimmer! Check in ist sonst um 15 Uhr. Merkwürdigerweise fragte er, um wie viel Uhr wir auschecken wollen. Das Hotel war aber auch sehr leer!

Als wir in das Zimmer kamen, waren wir irritiert. Es war ein normales Zimmer. Relativ groß mit schönem, normalen Bad, jedoch die Badwanne mit Jacuzzi Düsen. Warum das eine Juniorsuite sein soll, erschloss sich uns nicht. Der teure Stadtblick war eher hässlich, sicher keinen 50 € Aufpreis wert.
Der inserierte Obstkorb war auch nicht da und kam nie, Slipper mussten wir anfragen. Es gab zwar die Nespressomaschine, aber keine Kapseln.

Ich mietete also ein Zimmer, dass statt 180 € für 35 qm nun für 40 qm für 298.- kostete. Ausser den 5 qm mehr konnte ich keinen wahren Mehrwert erkennen. Gut, es gab die Nespressomaschine, aber wir mussten die Kapseln kaufen. Diese Wahl war von mir nicht besonders klug. Vielleicht sollte ich das nächste Mal besser das Günstigste nehmen und dann im Hotel verhandeln, was ein Upgrade kosten würde. Wir wollte nur sicher sein, ein großes Zimmer zu haben, da es sonst mit Kleinkind noch anstrengender ist.

Das Zimmer selber war alt, aber gut in Schuß. Der Teppichboden war fleckenfrei und die Möbel ohne große Schäden. Der Stuhl am Schreibtisch zu niedrig und für Büroarbeit unbrauchbar.

Das Zimmer war recht neutral, leicht konservativ gehalten.
Es gab unter den offenen Nachtischen zwei Steckdosen mit schräg angeordneten Schlitzen. Da musste selbst mein WeltsteckerAdapter passen. Das Hotel konnte aber Adapter zur Verfügung stellen. Am Schreibtisch gab es zwei USB Plätze und eine Steckdose auf angenehmer Höhe.
Sehr gut ist, dass es ausreichend Ablage im Schrank gibt. Das findet man heute kaum noch.
Im Bad gibt es eine Universalsteckdose. Als Hotelkosmetik wurde je ein Fläschchen Shampoo und Conditioner sowie Seife und Bodylotion zur Verfügung gestellt. Ebenso gab es Make-Up pads und Wattestäbchen in sehr geringer Menge. Das alles war an manchen Tagen knapp für drei Personen. Ärgerlich war, dass es nur 2 Duschtücher gab für drei Personen. Auf Anfrage gab es an einem Tag mal eins mehr. Nächsten Tag wieder nicht mehr. Trinkgeld motivierte nicht. Da war kein 5 Sternluxus.

In unserem Viertel kann man das Leitungswasser nicht trinken. Aber ausser zwei Fläschchen zum Empfang und zwei in der Minibar (2,50 €) gibt es kein Wasser. Wir füllten unsere Flaschen im Fitnesscenter auf.

Es gibt einen billigen Schuhlöffel aus Weichplastik. Von Shoe Shine Service ist nichts erwähnt.

Ärgerlich in 2022 finde ich, dass jeder der zwei Services viel Licht angemacht hat, bevor er das Zimmer verlies. Wir wollen doch alle die Umwelt schützen und Licht ausmachen ist es etwas, was einem am wenigsten stören würde.

Rezeption
Fit ist anders, aber sehr freundlich und hilfsbereit sind sie immer gewesen.
Meine Frau fragte zum Beispiel, was ein Stadttelefonat kostet. Sie möge den QR code aufrufen, dass sei der Hotel Directory. Aber da stand kaum was. Noch ein Anruf bei der Rezeption, die sich gleich wieder melden wollten. Wir haben nie wieder was gehört. (Wir hätten gleich am ersten Tag eine SIM holen sollen. Das ist sehr günstig und praktisch. Da es aber überall WiFi gibt, war die Priorität gering. In Google Maps hatten wir den Plan downgeloadet.
Beim Einchecken wurde uns gesagt, Fitness und Pool habe bis 22 Uhr geöffnet. Aber um 19 Uhr war bereits zu! Auf der QR Cod Webseite gab es keine Infos.

Gastronomie
Das Frühstück war – gerade für Deutsche – fürchterlich. Es gab kein Brot, sondern fieses Industrie-Toastbrot, dass man selber in einem sehr langsamen Toaster toasten sollte („slow toasting“ 🙈😂).
Neben aussen knusprigen, aber innen harten Croissants gab es Pain au chocolate und argentinische Medialunas, die wir gerne ausserhalb des Hotels aßen. Im Hotel waren sie nicht lecker. Dann gab es einiges an sehr süssen Kleingebäck.
Drei Marmeladen, Honig und Dulce de Leche.

Im herzhaften Bereich wurde morgens eine sehr große Schale Rührei gemacht, die bis zum Ende des Frühstücks reichte. Daneben war ein Gouda und ein gepresster Kochschinken. Ausserdem gab es hartgekochte Eier, Gurkenscheiben und aromatische Tomatenscheiben.

Es gab verschiedene Cerealien. An frischen Obst gibt es Apfel und Banane im Stück. Geschnitten gibt es Wassermelone, Papaya, Ananas, Honigmelone und manchmal filetierte rosane Pampelmuse. Manchmal fehlte Papaya oder Wassermelone. Das Obst war immer reif und schmeckte gut. Dafür großes Lob!
In jedem Obstladen sahen wir u.a. Mango, sehr gute Kirschen, Erdbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren. Manchmal kauften wir ein und baten die Küche darum, die Mango z.B. zu schneiden, so dass wir mehr Abwechslung zum Frühstück hatten. Das machte man gerne.

Gepressten Kochschinken oder Gouda – die tägliche Auswahl!

Kaffee wurde nach Wunsch gereicht. Tee und Mate ebenso. Einige Stellen im Restaurant werden nicht geputzt. Unser Sohn hat uns mehrere Male den Nachweis gebracht.

Die Mitarbeiter sind ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Sie besorgten uns ein etwas höherwertigeres Toast aus der Küche mit Nüssen.

Da das Frühstück für uns so abschreckend war, aßen wir nie im Restaurant, dass auch immer leer war.

Sehr schön, aber auch klein, war der Pool im 17., dem obersten, Stockwerk, wo auch das gut ausgestattete FitnessCenter ist. Der Pool-Raum ist verglast und das Dach wird bei gutem Wetter geöffnet. So kann man die ganze Stadt sehen. Der Blick nach jeder Richtung ist irgendwo ähnlich. Der Pool ist auf um die 28 – 30°C beheizt. Dazu gibt es einen Jacuzzi, der aber nicht funktioniert, genauso wie die Massagedusche und der Wasserfall.

Im Poolbereich hapert es stark mit der Sauberkeit. Die ersten fünf Tage wurde der Mülleimer überhaupt nicht geleert! Auch der Poolboden sieht an einigen Stellen nicht gut aus.
Nach den Gästen wird auch nicht desinfiziert. Handtücher gibt es mal, mal nicht. Hier ist deutliches Verbesserungspotential.

Verwundert waren wir, als ein sehr freundliches, altes Paar zum Pool kam. Plötzlich waren überall Angestellte. Es wurde rundum geputzt. Das Paar bekam Wasserflaschen hingestellt, die anderen Anwesenden wurden nicht einmal gefragt. Der Jacuzzi wurde gangbar gemacht. Dem Paar wurden Badetücher gebracht, die oft fehlten und man musste sich dann mit den kleinen Handtüchern aus dem Fitness helfen oder vom Zimmer holen. Service geht also doch. Nur nicht für jeden offenbar. Ganz schwach!

Dachpool Alvear Art Hotel Buenos Aires

Der Abschied, sprich das auschecken hatte einen schalen Nachgeschmack. Ich hatte ja zuletzt bei hotel.com für 2665 US$ gebucht. Ich musste aber 2797 $ bezahlen, also 132 $ mehr. Warum? 107 ARS wäre der Wechselkurs zum Dollar. Ich buchte Anfang Dezember, da war 101, jetzt ist er 102. 107 nur in der Fantasie!
Ich probierte, hotel.com zu erreichen. Die email kam zurück. Auf der Webseite gab es einen Link „Kontakt“. Da wechselte die Webseite nach Englisch, obwohl in der URL weiter Deutschland angegeben war. Und der Hammer: Man sollte eine Nummer in Neuseeland anrufen!

Es gab aber einen Chatbot, der mich dann mit einer Mitarbeiterin verband. Die meinte zuerst abwimmelnd, ich solle mich mit dem Hotel einigen. Als ich sagte, nein, da habe Sie sich zu kümmern, hat Sie „a case escaleted“. In maximal 14 Tagen werde ich wieder von hotel.com hören.

Fazit: Das Hotel Alvear Art ist ein wenig wie Buenos Aires, etwas alt, manchmal etwas dysfunktional bis skurril, stets aber elegant und freundlich. Mit etwas Führung und wenig Geld könnte man das Hotel wieder erstrahlen lassen. Würden wir noch einmal kommen? Ja, vielleicht, weil die Location ganz angenehm ist und man überall in 1 Stunde hinlaufen kann. Aber sicher keine Suite mit Stadtblick mehr.

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