Business Class in der TAP Mittelstrecke

Wir testen die portugiesische Airline TAP auf der Mittelstrecke. TAP wirbt derzeit stark um Business Class Kunden in Deutschland. Lohnt sich der Aufpreis für Business?

Der TAP Sitzabstand ist bis zum Notausgang gut bei 84 cm

Nach Teneriffa, von Berlin immerhin ein über fünfstündiger Flug, gibt es keine vernünftige Business Class. Einzig British Airways von London bietet eine vollwertige lie flat Business Class. Jedoch muss man auf dem Rückweg in London übernachten. Und der derzeit bietet BA diese auch nicht an. Pandemiebedingt, heisst es.
Seit kurzem fliegt Iberia bis Madrid mit einer richtigen C Klasse Inclusive lie flat und gutem Do&Co Catering. Ab Madrid jedoch übernimmt Iberia Express und damit das Grauen.

Ein Leser hat mir die portugiesische TAP empfohlen. TAP glänzt zur Zeit öfters mit guten Preisen. Nach TFS zahlte ich Return 459 EUR. Das ist weder billig noch teuer für die BIZ.
Man hat einige Vorteile in der Business Class, schreibt die TAP. One way kostet das Ticket zwischen 240 und 300 €, wenn man Glück hat.

BUSINESS CLASS SCHALTER Check in. Der Zugang war mit einem Band gesperrt. Ich öffnete es. Für Economy gab es einen Schalter. Die murrten, dass ich mir den Zugang öffnete, denn sie wurden auch von dem Business Class Schalter bedient. Unangenehme Situation. Wieso das Band zu war, konnte die Mitarbeiterin am Schalter nicht erklären.

  • Fast Track. In BER hat die TAP keinen Fast Track für ihre Kunden gekauft.
  • Lounge Zugang. Beim Check in schickte man uns zur Tempelhof Lounge an A20. Der Mitarbeiter dort lies uns aber nicht rein, weil die TAP keinen Vertrag mit der Lounge hat.
Mit Lounge Zugang – aber die Lounge weiß es nicht
  • 2 Gepäckstücke bis zu 32 kg/Koffer.
  • 84 cm Sitzabstand (das sind 8 cm mehr als die Lufthansa in ihrer Business bietet und 13 mehr als Iberia Express in der C).
  • Essen & Trinken.

Das Flugzeug ist eine A319 mit normaler Bestuhlung. 3 Sitze auf jeder Seite. In der C bleibt der mittlere Platz frei. Wir saßen in der 2 Reihe. Die Sitze waren nicht sonderlich bequem, wie Easyjet. Die Armlehnen konnte man nicht hochklappen. Die Nackenstütze rutschte immer wieder runter.

Der Service war sehr unterschiedlich. Die Stewardess war desinteressiert, der Steward engagiert. Neben mir saß eine TAP Stewardess, offensichtlich auf dem Weg zur Arbeit. Sie bekam ungefragt eine Decke gereicht. Die zahlende Passagiere wurden nicht gefragt. Auf der anderen Seite der Reihe schlief mein Baby ohne Decke. 

Mein Jacket wurde nicht abgenommen und aufgehangen. Es knautschte in der overhead bin. Beim zweiten Flug legte die Stewardess noch einiges auf das Jacket.

Man musste ein „Passenger locator Formular“ ausfüllen. Ob Kinder das auch müssen, wusste die Stewardess nicht.
Ich habe diese Info nicht in den vielen Emails von TAP gefunden. Aber oft liefen die Links auf 410 oder 404 Seiten. Die Info Emails der TAP waren eher verwirrend als hilfreich!

Die Maschine macht einen älteren Eindruck. Vorne wurden Steckdosen mit USB Ports nachgerüstet.  Die Toiletten war Substandard. Es gab noch nicht einmal Seife.

Kurz nach dem Abflug wurde ein Frühstück serviert. Welcher Kulturkreis so ein Frühstück isst? Keine Ahnung.

TAP Catering von berlin nach Lissabon (morgens 6 Uhr)

Leider gibt es für das Frühstück keine Karte, dafür lag die vom Abendessen noch auf dem zugeklappten Tablett. Da weiß man, was es bedeutet, wenn die TAP von besonderer Corona Hygiene berichtet.
Zum Frühstück gab es eine Art Pilztorte. Ging bei fast allen zurück. Dann eine so etwas wie ein Muffin, der wie nicht fertiggebacken schmeckte, so feucht.
Als Obst eine halbe konservierte, stark parfümierte Birne. Einen großen Jogurt griechischer Art von Danone, Mandeln, Butter und Himbeermarmelade.
Als Brot wurden so eine Art harte, nicht splitternde Industrie-Croissants und exzellentes, dunkles Brot angeboten.
Statt O-Saft gab es zuckrigen Nektar.
Das Frühstück war eine ziemliche Zumutung. Viele nahmen es nicht. Meine Stewardess auch nicht.

Ich ging einmal durch die Maschine. Bei uns war der Trennvorhang in Reihe 3|4. Bis zu den Notausgängen ist der gute Sitzabstand mit Stromzufuhr. Dann wurde es eng und voller. Ich vermute, dass man die vorderen Sitze bezahlen muss. Der Mittelsitz war bis zu den Notausgängen fast immer leer. Mir erscheinen diese Plätze als günstige Alternative zu der schlichten Business Class. Ein Sandwich mit Getränk und Snack kostet 10 Euro, Wasser 2,70.

In Lissabon angekommen, gab es nur eine Aussenposition. Busse für Business Class gab es nicht. So waren wir die ersten im bald überfüllten Bus und die letzten, die ausstiegen. Wir standen dann in der Schlange, in der die Polizei die „Passenger Locator Formulare“ kontrolliert, die wir anschließend wegwerfen durften. Der Sinn des analogen Formulars, das akribisch mit dem Pass oder Personalausweis abgeglichen wird, verstehe ich nicht. 

Die TAP Lounge ist nicht erwähnenswert. Selbst der berühmte portugiesische Kaffee ist schlecht. 

Beim Boarding war gut was los. Aber perfekt: der Premium Class Schalter war leer. Wir konnten ohne zu warten in den Bus, um dann dort ausgiebig zu warten.
Überraschung: wir fuhren wieder zu unserem Berliner Flugzeug. Selbst die falsche Speisekarte war noch da. Ich hatte den selben Platz!

Jetzt war es etwas chaotisch, weil die Passagiere des fast vollen Fliegers reichlich Handgepäck dabei hatten. In der jetzt zweireihigen Business Class waren wir vier die einzigen Gäste. Irgendwann packte die Stewardess das Gepäck um, um alles unterzubekommen. Beim Rausholen des Rucksacks meines Sohnes knallte sie mir die Schnalle ins Auge. Praktisch: genau hinter mir saß ein portugiesischer Augenarzt, der die Prellung gleich untersuchte. Es gibt ja wirklich freundliche Mitmenschen. 

Eigentlich zahlt man relativ viel mehr Geld, um dem Chaos der Economy Class zu entkommen und einen ruhigen und bequemen Flug zu haben.

TAP Catering von Lissabon nach Teneriffa Süd (mittags)

Auch das jetzige Catering hätten wir nicht nehmen sollen, sondern lieber anschließend  zu den Fischbuden in Tajao gehen.

Fazit: Besonders die frühe Abflugszeit – 6 Uhr – ist sehr störend. Wir mussten um 3 Uhr aufstehen. Das Produkt ist etwas besser als die LH, da der Sitzabstand besser ist. Sein Geld ist es nicht wert.
Vielleicht würde ich das nächste Mal einen Flug in den Eco Reihen bis Notausgang buchen. Aber sicher nicht mehr bei Abflug um 6 Uhr. Zurück geht es ab 14 Uhr von TFS via LIS nach BER, wo man um 22 Uhr eintreffen sollte.

Zum Vergleich: Condor Mittelstrecke Business Class
IBERIA Mittelstrecke Business Class nach Teneriffa

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