Wir waren gutbürgerlich essen

Wir gehen sehr gerne auch mal gutbürgerlich essen.
Eine Yoga Freundin empfahl uns das Restaurant Melanie. Es gehört Melanie, einer erfahrenen Gastronomin, die vorher ein Hotel in Fehmarn besaß oder leitete. Habe ich vergessen.
Die Karte machte leider keinen besonders guten Eindruck. Wie aus den 70ern. Schnitzel Wiener Art oder paniertes Seelachsfilet.
Normalerweise wären wir jetzt wieder gegangen. Wir hatten aber Hunger und die besseren Restaurants machten erst eine Stunde später auf. Also blieben wir. Obwohl wir neben zwei Gästen, die gerade gingen, die einzigen waren.
Sie wissen es auch schon jetzt. Es war ein Fehler.
Die Bedienung jedoch war sehr freundlich.
Wir bestellten dann Hirsch, der war ausverkauft. Meine Frau entschied sich für die Entenbrust (16,90 Euro), ich für das Filetsteak (16,90) – für Junior bestellten wir nur Bratkartoffeln mit gebratenen Gemüsen, die dann später mit 6,90 auf der Rechnung erschien.
Ausserdem nahmen wir je ein Glas HausWein (1,85 Euro für 0,1) und ein Wasser, das laut Karte 0,5l sein sollte, aber nur 0,33l enthielt.
Mit großer Begeisterung kam die Bedienung und brachte uns 4 Scheibchen kaltes Industrie-Baguette mit Aioli: „Ein Gruß aus der Küche!“ Wir teilten gerecht und hatten jeder 1,33 Scheibchen Baguette. Der Hunger!
25 Minuten warteten wir auf unser Essen – als einzige im Restaurant. So wussten wir, es wird wohl frisch gemacht. Unsere Laune hob sich.
Die Portionen waren groß, Juniors riesig.
Die Bratkartoffeln waren kalt, so das wir diese zurücksenden mussten.
Die Bedienung fragte uns, als sie uns die aufgewärmten Kartoffeln brachte, ob alles okay sei.
Ich sagte, nein, leider gar nicht. Es ist handwerklich eine Katastrophe.
Sie sagte, Moment, und ging in die Küche. Wir hörten vom Koch ein lautes „Scheisse“ und dann kam er in seiner dunklen Uniform samt Lehrling angerauscht. „Was schmeckt Ihnen nicht?“ fragte er drohend.
„Alles. Aber das müssten Sie als Koch doch am besten beurteilen können,“ meinte ich.
„Es sind alles hervorragende Produkte, perfekt zubereitet“, meinte er jetzt drohend.

Die Entenbrust war ohne Kruste, hätte noch etwas rosaner sein können. Man musste arg an ihr kauen.
Die Bratkartoffeln waren mittlerweile eher von der Konsistenz ein Püree, aber sehr heiß. Geschmacklich waren sie mies. Irgendwie in Brösel.
Das an sich sehr schöne „gebratene Gemüse“, auch mit einem Brösel überschüttet, war komplett zerkocht.
Das Filetsteak war nicht medium, sondern durch-durch, es schwamm in einer geronnenen Pfeffersauce. Dazu war es nicht richtig gesäubert, so das Silberhaut oder sich etwas kaum durchbeissbares im Fleisch befand.
Einzig der Rotkohl war geniessbar.

Die Qualität der Grundprodukte kann wirklich gut sein und offenbar wurde auch alles hausgemacht. Aber wie!
Wir waren ziemlich erschüttert, dass ein Koch so frech hinter seiner durch und durch mangelhaften Leistung stand. Junior hatte sogar Angst, dass es Schläge gibt, meinte er später. Obwohl wir kaum was aßen, wurde voll kassiert, auch kein Dessert zur Versöhnung offeriert.

Die Inhaberin war selber nicht da. Ob er sich das getraut hätte, wenn sie da gewesen wäre? Wenn es mein Laden gewesen wäre, hätte sich der Koch danach die Papiere abholen können. Nicht, weil er schlecht gekocht hat. Weil er auch noch die Gäste angegangen ist und sein Essen toll fand.

Als wir um 20 Uhr gegangen sind, war das Restaurant komplett leer. Wir können es verstehen!

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Update: Nach drei Monaten war das Restaurant wieder zu

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