1450 Euro – mein teuerstes Hotelzimmer

Höher, weiter, teurer. Wir wollten mal ein teures Hotelzimmer testen und haben unsere Punkte, die wir bei Leading Hotels of the World im Sandy Lane und im Bayerischen Hof verdienten, eingesetzt.

Widder Hotel, Zürich

Das Sandy Lane war ja nicht sehr viel billiger mit 1400 €/Nacht, aber ein Urlaubshotel. Noch teurer mit ungefähr 10.000 €/Nacht war das THE MURAKA. Aber das ist auch einzigartig und eine eigene Kategorie. Das Widder Hotel zählt zu den berühmten, großen Grandhotels in Europa. Wir waren jetzt gespannt, wie der Service sein wird. Das Standardzimmer kostete heute 970 SFR. Und auch sonst habe ich das nie unter 600 Franken gesehen. Die billigste Kategorie wohlgemerkt. Da hat man Erwartungen oder?
Und da ich Angst hatte, dass meine Punkte irgendwann ungenutzt abliefen, habe ich nun die Hotel Ikone „Widder Zürich“ gebucht, um die Punkte zu verjubeln.

Zuerst war es gar nicht einfach, das Hotel zu finden. Die Europcar Navigation führte uns falsch. Google Maps hat dann geholfen. Das Hotel liegt in einer Fußgängerzone. Jedoch ist es gestattet, für die Anreise von einer Seite, vorzufahren. Bei der Vorfahrt kamen gleich zwei Portiers und rissen förmlich die Sachen aus dem Auto und evakuierten uns. Drinnen war der Rezeptionist beschäftigt, so dass der eine Portier auf die Suche nach einem anderen ging. Er redete mich dabei mit Nachnamen an. Er fand dann eine sympathische junge Österreicherin, die uns professionelle eincheckte. Für Extras, so sagte sie, möchte sie 250 SFR blockieren, dem stimmte ich zu. Bis hier alles Weltklasse!

Das Valet Parking kostet 45 SFR/Nacht!

Unsere Koffer müssen über viele kleine Treppen getragen werden. Die Kofferträger tragen leider nicht am Griff, sondern an den Teleskopstangen, die sich leicht verdrehen lassen. Auch für uns ist das Blöd, weil wir mit dem Kinderwagen über die ganzen Treppen müssen. Auf Nachfrage wurde uns von der Rezeption erklärt, dass sei der einzige Weg. Später fanden wir anderes heraus. Ein Stockwerk tiefer hatten wir nur 2 Stufen bis zum Fahrstuhl, konnten also bequem ohne Tragen ans Ziel. Komisch, dass keiner das weiß!

Wir bekamen unsere Junior Suite (Zimmer A25) wie bestellt. Das war etwas traurig, denn eigentlich sollten wir ein Upgrade bekommen, wie die Regeln der Leading Hotels vorschreiben. Und es gab Verfügbarkeiten, wie die LHW Seite zeigte.

Widder Hotel Zürich: Verfügbarkeit beim Check in

Ich hatte aber keine Lust auf ein Streitgespräch und unsere Junior Suite ist durchaus imposant. Vermutlich hätten sie erzählt, dass ich eine Kategorie höher kann, aber die freie „historische Suite“ drei Kategorien höher sei. Hier sieht man alle Zimmer im Widder. Wir blieben ja auch nur eine Nacht. Nicht richtig, aber für uns auch nicht wichtig.

Unser Zimmer ist eine Maisonette Suite.

Maisonette Junior-Suite im Widder Hotel – Hotelfoto.

Das Zimmer ist gut. Eine halbe Flasche Weißwein steht im Kühler stilvoll als Willkommen bereit, so wie für jeden eine Praline. Unser kleiner Sohn bekam einen Widder als Plüschtier und Slipper in Babygröße. Es gibt eine Nespressomaschine. Eine Preisliste für die Minbar gibt es nicht, aber auf Nachfrage wird eine gebracht. Die alkoholfreien Drinks sind gratis, die anderen Drinks erwartungsgemäß teuer. Hoteldirektor Arnold grüßte uns auf drei Karten (einmal am Wein, zwei am Schreibtisch) und noch einmal im TV.

Ich frage telefonisch, wo man das Hoteldirectory findet. Was das sei? Ein Hotel A-Z, das gäbe es nicht, ich könne aber anrufen wenn ich Fragen habe. Später im TV Menü finde ich das Hotel A-Z.

Ein Schwimmbad hat das Widder nicht. Auch keine Sauna. Man könne aber Tageskarten bei einem nahen Fitnessstudio für 35 € erwerben, lese ich im Directory.

Irritierend: Es gibt keine horizontalen Schrankflächen, nur zum Hängen. Eine Seite des Schranks ist zugenagelt!? Wo legen denn die reichen Menschen ihre Hemden, Unterwäsche, Socken etc hin?
Der TV ist defekt, es gibt seitlich Streifen.
Im Bad gibt es Nachtlicht, aber wenn auf dem Klo sitzt, geht es aus und man sitzt im Dunkeln. Die Stühle der beiden Schreibtische sind zwar optisch schick, aber zum Arbeiten absolut ungeeignet. Ich vermute, Menschen, die hier absteigen, arbeiten nicht mehr. Am obigen Schreibtisch gibt es eine Steckdose mit Schweizer Stecker. Unten gibt es immerhin eine Schukosteckdose. Auf Nachfrage wurden drei Adapter geliefert. Von denen funktionierten nur zwei!
Am Folgetag fand meien Frau im Schrank einen Schlüssel, mit dem man von innen die linke Tür entriegeln kann. Da waren aber keine Fächer, sondern ein großes Loch mit nichts. Merkwürdig!
Mangelhaft für knapp 1500 € Tagesrate!

Das Bad ist ansprechend. Die Oberfläche sieht etwas wie eine hochwertige Melaminharz-Küchenarbeitsplatte aus. Die Wände sind beige gefliest. Der Wasserdruck ist nicht sehr hoch, besonders beim Duschen hat man den Eindruck, Harbecksches Wassersparen wird hier praktiziert. Wobei bei warmer Dusche die Duschtür von selbst nach innen aufgeht, so dass man immer einen Stubser bekommt … Amenities gibt es nicht viele. Shampoo und Conditioner sowie Showergel sind in Alutuben. Die eine Bodylotion für drei war bereits angefangen. Die Make Up Pads und Q-Tips liegen lose in einer Schale, die Kosmetiktücher ebenso in einer zu kleinen Dispenser. Die Handtücher sind flauschig weich. Ausreichend.

Mein Handy verrät mir, dass statt 250 SFR 1625 Fränkli abgebucht wurden. Ich lasse mich verärgert zum Duty Manager durchstellen und berichte ihm mein Leid. Patrick verspricht Abhilfe. Das war alles professionell. Nach 30 Minuten wurde mir der gesamte Betrag wieder gut geschrieben. Man habe die Punkte Einlösung übersehen. Sehr gut.
Fehler können passieren, aber sie wurden komplett und umgehend ausgebügelt.

Maisonette Suite im Widder Zürich

Leider lassen sich die Rollos der oberen Fenster nicht öffnen (lt. Rezeption). So ist das Zimmer um 9 Uhr morgens recht duster, wie das obige Foto zeigt. Ohne Licht geht hier nichts! Kurz vor Abreise entdeckten wir die Schalter von den Rollos. Auch hier war die Info der Rezeption falsch.

Das Frühstück im romantischen Widder Restaurant war gut. Besonders das Obst wurde sorgfältig gewählt. Die „frischgepressten“ Säfte waren die industriellen Direktsäfte. Die drei Sorten Fleischaufschnitt waren sehr gut, beim Käse und beim Brot ist noch gut Luft nach oben. Eierspeisen waren in Ordnung. Auch das Bircher Müsli bietet der Küche Optimierungspotential. Kaffee war okay und Service war gut. Das Frühstück bekommen wir gratis aufgrund unseres Status. Das ist natürlich Klasse!

Das Internet war okay. Aber sie wollen immer deine Daten. Du sollst Geschlecht, Name, Vorname, email, Handy und Zugangscode eingeben und zustimmen, dass man ein Profil erstellt. Das war schon beim Check in so und bei jedem neuen Gerät wieder. Etwas aufdringlich und nervig.

Auf unsere Anfrage nach einem Late Check Out um 15 Uhr, hat man uns 14 Uhr angeboten. Das war jetzt nett, aber wenig hilfreich, da wir erst um 14.30 Uhr vom Museum zurück sein wollten.
Wegen der falschen Abbuchung hat man wohl unser 45 SFr Parken storniert. Das war nett.

Fazit: Für das Geld erwarte ich Perfektion. Hier war man stets bemüht. Für Bares würde ich nicht das Widderhotel buchen, trotz Lage und Historie. Ich finde nicht, dass es 1450 €/Nacht ohne Frühstück wert ist.

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